Weihnachtsmarkt in Belfast

Und da waren wir dann mal wieder … in Belfast, auf dem Weihnachtsmarkt. Dem besten in Irland. Und voll mit Marktbeschickern aus aller Herren Länder, zumindest aus Deutschland, Weißrussland, den Niederlanden, Italien, Frankreich. Und der Wurstbrater aus Laboe (“Moin, min Jong!”) servierte eine echte Currywurst mit Pommes vom Feinsten. Da wird selbst mir festlich zu Mute.

Aber auch sonst, Glühwein inklusive, ist Belfast nach wie vor der Tipp. Kompakt, in einem gut überwachten Areal, ohne Schnapsleichen und Randale. Die nordirische Art, zu feiern – man hat aus den “Troubles” gelernt, wie man auch im grössten Trubel Ärger vermeidet. Und man weiß, was man dem Publikum bieten muss, wenn man heute mithalten will. Nämlich nicht billigen Schund aus China (gut, über den Stand mit Lego-Kopien will ich jetzt nicht reden), sondern schon mehr Atmosphäre, nennen wir es Gemütlichkeit oder “hygge“. Dann rollt der Rubel schon ganz von alleine, und auch die Touristenbusse rollen an. Immerhin, Belfast rangiert jetzt unter den besten Weihnachtsmärkten im United Kingdom, offiziell. Und mit Recht. Den Vergleich mit den Märkten in der Republik kann man sich sowieso gleich sparen.

Also, gut gefüllt und mit einigen Einkäufen (der Salamihändler aus dem Sauerland könnte auch auf dem Hamburger Fischmarkt Karriere machen) wieder zurück in die Heimat südlich der Grenze. Nach einer guten Mütze Schlaf, der Glühwein war schließlich der “real deal“.

Und da dann mal wieder in den Computer geschaut … ich hatte doch vor einigen Jahren für About.com, jetzt TripSavvy, einen Artikel dazu geschrieben? Stimmt, und heute könnte ich mich über eben den bekringeln. Oder ärgern. Aber dafür ist das Leben zu kurz.

Hintergrund: Im September hatte sich TripSavvy entschlossen, unsere Zusammenarbeit nach elf Jahren zu beenden. Wurde erst im Oktober Realität, weil das Middle Management Termine verpennte. Und kam für mich auch nicht unbedingt so ganz überraschend, schließlich wurden laufend Kollegen von ihren Aufgaben befreit, darunter auch viele mit einer grösseren Leserschaft als ich dort je hatte. Man wolle in eine “neue redaktionelle Richtung” war die Standardbegründung, welche dies war, und ob die nicht auch mit den bewährten Schlachtrössern eingeschlagen werden konnte, das blieb nebulös. Und bleibt es weiterhin. Zumal, wenn man sich den Artikel zu Irlands Weihnachtsmärkten heute ansieht.

Als Autor steht da immer noch ein gewisser Bernd Biege (moi), und zuletzt wurde der Artikel, brandaktuell sozusagen, am 13. Dezember “aktualisiert”. Ach, ja?

Und da beginnt dann das Ärgernis – TripSavvy hat nämlich an dem Artikel gar nichts aktualisiert, lediglich der “time stamp” wurde erneuert, das geht mit der Sequenz Öffnen-Speichern-Schließen binnen Sekunden, und ohne große geistige Arbeit. Und genügt dem großen Google im ersten Anlauf, um eine aktuelle und aktive Webseite zu signalisieren. Das ist derselbe “Leser” Google, nach dessen Ansprüchen die Autoren bei TripSavvy in den letzten Monaten schreiben mussten. Was nicht optimal auf Google ausgerichtet war, wurde nicht genommen – Inhalte waren dabei egal, die Form wichtiger. Und was nicht schon hoch in Google rangierte, war als Thema gar nicht gewünscht. Sprich: Vergiss die Insider-Tipps und tiefer gehende Betrachtungen, liefer “listicles” (Listen mit Highlights oder so), und zwar von dem, was die Leute schon kennen. Und so wurden aus den Autoren, ursprünglich “Guides” genannt, erst Experten, dann schlichte “Content Providers“. Das journalistische Äquivalent des Call-Centre-Mitarbeiters in Bangalore, austauschbar und mit Tunnelblick. Ach ja, und billig. Weswegen mich die Trennung dann auch finanziell nicht allzu sehr belastete.

Wie auch immer … zurück zum Artikel “The Best Christmas Markets for Food and Fun in Ireland“, aktualisiert (*ähem*) am 13. Dezember 2017, von wem auch immer (nicht von mir, das ist sicher). Wer den Artikel liest, der wird staunen. Denn der war offensichtlich zuletzt im Jahr 2015 aktuell. Und warum nicht mindestens 2016 von mir selbst aktualisiert? Naja, wie man in den USA so schön sagt, “above my pay grade“. Denn auch Aktualisierungen wurden immer restriktiver gehandhabt. Man durfte nach Liste, was außerhalb dieser schier nach Algorithmen erstellten Liste passierte, wurde schlicht nicht bezahlt. Da wird man schon schluderig. Gleitet in eine LmaA-Haltung ab. Gebe ich ja zu. Aber immerhin hätte dann der aufmerksame Leser eben sehen können, dass der Artikel seit Anno Dunnemals nicht aktualisiert wurde. Heute ist der Artikel immer noch veraltet, aber Dank kleiner Computer-Magie kommt er zumindest auf den ersten Blick als topaktuell daher.

Dass auch Google diesen Kunstgriffen irgendwann auf die Schliche kommt, das ist zu erwarten … aber weiter als bis zum nächsten Monat denkt in der schönen neuen Welt des Online-Publishing kaum noch jemand. Und je grösser die Firma, desto weniger, so scheint es mir zumindest.

Darauf einen Glühwein …

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