Besuch auf Boa Island

Der November ist ja so ein wenig der Monat zwischen den Welten, in dem man der Vergangenheit (und vor allen der Toten) gedenkt, in dem die Dunkelheit Überhand nimmt. Düster, depressiv, manchmal morbide. Wann also kann man besser auf Boa Island, im Norden der Grafschaft Fermanagh (Irland) die merkwürdigen, alten Statuen besuchen? Zwei alte “Idole” finden sich hier, Statuen die grössere schon immer, die kleinere 1939 von Lustymore Island hierher verbracht.

Beide werden allgemein gerne als “keltisch” bezeichnet, als Götterbilder gesehen. “Eisenzeitlich” ist eine weitere Einordnung, die sich aus dem Vergleich zu anderen Statuen ergibt. Aber genau weiß es niemand, denn Stein lässt sich nicht datieren. Und Vergleichsfunde sind oft entweder genauso schwammig datiert, oder werden als “unpassend” ignoriert. Etwa frühchristliche Bildwerke aus dem Umfeld des Lough Erne, also ganz regional. Frühchristlich aber, das sollen, das dürfen die Gestalten auf Boa island nicht sein. passt nicht in das Keltenbild. Und in die Theorie von der Janus-köpfigen Keltengottheit, die die grössere Statue ja darstellen soll. Oder könnte. Oder auch nicht.

Allerdings würde zum frühen Christentum schon die Lokalität passen, nämlich ein irgendwann zwischen dem Heiligen Patrick (begann 432 zu missionieren) und dem 9. Jahrhundert angelegter Friedhof. Heute noch in Benutzung, manche Gräber werden noch immer, wenn auch mehr schlecht denn recht, gepflegt, zumindest besucht.

Die meisten Besucher allerdings kommen wegen der zwei geheimnisvollen Statuen, über deren Bedeutung man stundenlang meditieren, sich danach hervorragend mit anderen Theoretikern streiten kann. Touristen fühlen sich hier vom Mantel der keltischen Geschichte eingehüllt. Esoteriker finden ihren ganz persönlichen Kraftort. Kunsthistoriker studieren und interpretieren die Steinmetzarbeiten. Und gelegentlich scheinen sich auch wahre “Gläubige” hierher zu verirren. Denn kleine Votivgaben in Form von fast wertlosen Münzen fallen ins Auge. Vor dem “Idol” von Lustymore abgelegt. Oder in der “Scheitelsenke” zwischen den zwei Gesichtern versteckt.

Vielleicht sind sie aber auch nur das nordirische Äquivalent zu in den Trevi-Brunnen geflippten Eurocents – man macht es, weil es eben jeder macht.

This slideshow requires JavaScript.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *